Alzheimer Chaussee

als heim er schaute - LiederAbend
Sandow Gesang / Stoll Klavier

Die Musik kommt aus der Richtung von Kurt Weill, Hanns Eisler und der großen Tradition der Schlager der 20 iger und 30 iger Jahre in Deutschland, nur 70 Jahre jünger. Kunstlieder der Gegenwart, selbstkomponiert, vermischen sich mit den Liedern aus der Zeit zwischen den beiden Weltkriegen. Wir sind keine Zarah Leander - Imitatoren und wollen auch nicht klingen wie eine alte Shellackplatte. Kühl und kalt geblieben vor dem, was sich da tummelt auf den Allgemeinhörplätzen der Liedermacherei gehen wir durch schroffere Landschaften. Aber, die Kälte ist nicht regungslos, die Kühle trägt Feuer in das Eis. Kulinarik beim Hören ist versprochen. Das Futter unter dem Pelz der Schlagersentimentalität ist rauh. Herzrauh.
Ein Programm auf den Rändern von E und U und Volksmusik, da wo man durch Spalten und Brüche in die Abgründe schauen
. Immer wieder Großstadtsprache, denn die liegt im Herzen der Maschine, ist der Motor unser Musik. Banal und pathetisch, ausgeklügelt wild, auch fett und hart und nüchtern. Großstadtsprache den vereinnahmenden Wertungen entzogen, jedoch Standorte, Haltungen signalisierend, denn:
du sollst mir treue und liebe schwören
wenn ich auch fühle,
es muß ja sünde sein ich lüge auch:
und bin dein

Kritiken

Schwäbische Zeitung

Nino Sandow hat einen kleinen Freund aus Berlin mitgebracht – eine Handpuppe, den Tod. Und was er mit ihm sang, war leicht und sinnlich, und von schlichter Schönheit – das Klischee vom düsteren, traurigen Tod gegen den Strich bürstend und damit wie ein Symbol für das Programmatische in den Song- und Lyrikinterpretationen der beiden Musiker: in der Kunst ein Stück abbilden. Aber nicht wie es vorgegaukelt wird, wo Kitsch und Zuckerpatina und hohle Manieriertheit dominieren. Sondern Leben als Nathstellen, mit denen Trauer und Lust, Armut und Illusionen zusammengeflickt sind und in übergangener Permanenz ständig aufplatzen. Dann hört man plötzlich hinein in Menschen, und man hört Kopf und Bauch und Seele, manchmal alles in Einem und der Effekt ist ein wenig wie bei der Ausstellung ,Körperwelten’ – die Haut abgezogen, voller Dreck und Schminke, verbraucht, maltätiert.
Sichtbar – hörbar an diesem Abend wird was unter der Oberfläche verschüttet war. Oder eher unter der Oberfläche banaler Interpretationen.
..... was Sandow und Stoll aus den überzuckerten, abgelutschten ”Hits” des armen B.B. machen- ”Mond von Alabama” und ”Seeräuberjenny”: wilde, bedrohliche Weissagung einer Kaschemenspülerin, und in der Armut der 30 - iger Jahre klimmt der Wunsch nach Liebe – ”Hasch mein Kind”. Texte aus den 20ern den 30ern. Aber nicht der verlogene Gefühlskitsch, den die Nazis so erfolgreich über die Barbarei gepudert haben, sondern das Kantige, Aufmüpfige des Expressionismus. Und dann verwandelt sich dieser hochgewachsene Sänger mit seiner kontrollierten Schlagsigkeit in eine Figur wie aus dem Bauhaus, wie von Oskar Schlemmer.
Stoll und Sandow spielen mit Formen, mit Bildern – links zwo drei; Federboa, Parfüm und Schnaps. Eins ins andere übergehend, wie im Leben. In das sich ganz weich und verlockend das Falsche einschleicht. Hans Albers. Die großen Gefühle der kleinen Leute. Die trivialen, die banalen Träume. Von der Liebe und der Ferne, im Hiersein. Kein Kitsch, kein Schmelz – einfach, zauberhaft einfach, wundervoll künstlich. Fließende Übergänge vom ”Künstlichen” zum Kunstlied. Was man plötzlich begreift: gute Texte. Damals. Warum hat Sandow die kleine Geschichte aus Stralsund erzählt, wie eine Frau einfach auf den Gehsteig kotzte?
Was an Sandow und Stoll – die eine Einheit sind zwischen Klavier und Stimme, wie man dies nur in exquisiten Fällen des klassischen Liedes findet – Giesen, Brendel; Fischer - Dieskau – Moore, was an diesem Traumpaar fasziniert ist, dass sie die Toten ohne Scheu zum Leben erwecken – sie ins Heute führen – und Ihnen gerecht werden. Man sollte sich als Rezensent nicht wiederholen. Zum ,Süchtigwerden’ seien sie, schrieb ich nach ihrem ersten Auftritt. Nach dem zweiten, im Theater Ravensburg bleibt es dabei. Die beiden setzen neue Maßstäbe.

Südkurier/Friedrichshaven

Berlin ist wieder wer und erinnert sich seiner großen Zeiten. Im vollbesetzten Theater Ravensburg gastierte der Liedsänger Nino Sandow mit seinem Pianisten Jens-Karsten Stoll. Ein außergewöhnlicher Abend stand an ..... . ...dass hier Theaterleute mit dem unbedingten Drang zum Wesentlichen vorgehen würden war deutlich zu erkennen. Ein Liederabend voller Abgründe und Höhen, voller Emotionen, Leichtigkeit und Schwere, der doch auch viele kleine Dinge des Lachens in sich trug.

Schwäbische Zeitung

Nino Sandow - ein Faszinosum an Stimme, Flexibilität und körperlicher Präsenz... Zum Süchtigwerden Jens Karsten Stoll am Klavier. Kein ausgelutschter Eisler und Weill-Abklatsch, sondern herbe, dichte Neuvertonungen. Sinnlich prall sensibel.”

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Danilloff: Alzheimer Chaussee Preis:15 €
Danilloff: Winterreise 15 €
Brecht Majakowski Hans: Albers €