Villon - Liederabend
”Du hast ein Gesicht, da ist viel Wind durchgegangen”
Sandow Gesang / Stoll Klavier
Der Dichter, den wir hier in voller Lebensart vorführen, ist einer von den Abseitigen, den großen Desperados, die des Herrn Lombroso Theorie vom geborenen Schurken aufs Glatteis führen und den Sittlichkeits - Nachtwächter aller Zeiten hinsichtlich verdächtig erscheinen: Werk und Urheber dem Staatsanwalt empfehlen.
Kritiken
Potsdamer Nachrichten
Wo das Leben bruchstückhaft überliefert ist, da kann das Werk umso deutlicher sprechen. Die noch genauesten Informationen, erfährt man aus alten Gerichtsakten, die eine nicht unerhebliche kriminelle Energie dieses Mannes belegen. Villon, das ist wie bei Dante, Shakespeare. Der Name pricht hier schon von Größe.
Nino Sandow, der mit dem Pianisten J._K.stoll in ein fast überfülltes Foyer des Nikolaisaals kam, hatte seinem Liederabend Villon vorangestellt Wer diesen eigenwilligen Sänger kennt, seine Interpretation von Schuberts Winterreise erlebte, der ahnte, dass es ihn oft in das Gebüsch neben die ausgetretenen Pfade ziehen würde.
Sandow zog große Kreise. Villon war ihm Mittelpunkt von dem er konzentrisch ausholte und über Rimbaud, Tom Waits, Max Goldt und anderen zog. An Vorgaben hielt er sich nicht. Lied an Lied zu reihen fiel im nicht ein. Er ließ die Texte( auch die aus dem ”Tagebuch eines Trinkers” von Eugen Egner) ineinander schwimmen, verwischte das Bekannte... .
Was diese Lieder verband,war das oft Abgründige, Schattenseitige, das Milieu des Zwielichtigen, von dem sie erzählten.
Ob leise, manchmal nur gehaucht oder aufbrausend, fast schon donnernd, so wie Sandow an diesem Abend sang, wurden aus den Liedern manchmal ergreifende, manchmal verstörend, manchmal aufschreckende Geschichten. J.K.Stoll blieb mit seiner Begleitung zurückhaltend und gab gerade dadurch seinem Spiel einen besonderen Ton.
Hausen”, so erklärte Sandow, hätte er gern diesen Liederabend überschrieben.”Hausen” auf freiem Feld mit den Dichtern da wo es unwirtlich ist, aber weit”. Die Lieder sollten dazu ein Feuer sein, um dass alle im Foyer sich kauerten. Sandow und Stoll hielten die Flamme am Leben. Ab und an warfen sie einen dicken Scheit hinein, dass die Funken sprühten. ... sind Könner am Werk, lässt man die Flamme gern näher kommen, ganz bewußt die Gefahr in Kauf nehmend, dass man sich dabei auch verbrennt