Winterreise I. a- cappella

Worte: Wilhelm Müller Musik: Franz Schubert - Lieder ein Abend

( Auszug Text für die Leitung des Berliner Ensembles 1998) Seit einem halben Jahr habe ich auf Ausstellungseröffnungen von Freunden, bei Videoinstallationen und anderen Gelegenheiten kleine Teile der Winterreise a-capella vorgetragen, indem ich auch die Klavierstimme mit sang. Dabei ist etwas eigenartiges passiert: Ich bin aus dem vorprogrammierten Traurigsein herausgefallen und ein Trotz, eine Ironie, Spaß und Kraft bestimmten auf einmal den Grundgestus der ,Winterreise’. Was schön war, konnte nicht mehr so klingen. Kein Verstecken in der Klavierbegleitung war mehr möglich. Etwas Anderes, Wildes, Aufregendes war dafür aufgetreten.

Kurzum, auch was die immer unterschätzte und vieldeutige Dichtung Müllers betrifft, ich glaube daran, einen a-capella Abend Winterreise zustande zu bringen, der frei ist von Lamoryanz, Pathos und Selbstmitleid, bescheiden in seinem Frohsinn, eine Entdeckung der politischen Genauigkeit ohne Bitterkeit. Und hoffe dann, daß die Kleine-Welt-Beobachtungen des armen ,Wanderers’ eine Katharsis erfährt vom ‚Liebesleid zum Elend in der Welt, sein Ich einer zu verändernder Landschaft aussetzt.

Kritiken

Neues Deutschland

Singt Nino Sandow? Spricht er? In diesem Lied Wegweiser schneiden sich die Linien die diesen Abend tragen: ein Wandern ins Kalte hinein, in die Schutzlosigkeit; jede Hand, die sich darbietet, hat fünf Eiszapfen- aber zugleich ist da Trotz, Lebensspaß; auch an den Rändern der Verzweiflung wächst grünes Gras. Nino Sandow (bekannt geworden durch seinen wuchtigzarten Liederabend ”Brecht Majakowski Hans Albers”) singt sitzend, die Hände singen gleichsam mit, der Kopf dirigiert. Was ist dieses Singen? Einer steigt auf dem Schrei der Geburt herab und lehnt sich ans Ende. Heimatunglück in den Augen. Aber das Blut wallt. Schubert ganz unschön, ganz aufgerauht, so traurig wie närrisch.

Tagesspiegel

Mit seiner innovativen Interpretation, in der er die klavierdominierten Passagen mitsingt, hat Sandow Ende der 80er Jahre sein Staatsexamen abgeschlossen. Dass er anschließend Schauspieler und nicht Opernsänger geworden ist, dürfte nach dieser kraftvollen und wilden Version der Winterreise, die anders als alles zuvor Gehörte ist, niemanden mehr verwundern.

Die Welt

Dann beherrscht er die Bühne mit seinen zwei Metern, der Wucht seiner variablen Stimme, seiner Distanz.” Fremd bin ich eingezogen, fremd zieh ich wieder aus”, singt er und es ist sehr schön und sehr unromantisch.

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Danilloff: Alzheimer Chaussee Preis:15 €
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Brecht Majakowski Hans: Albers €