Wüste Flieger Füchse

König: ” Sie könnten mir... befehlen, innerhalb einer Minute zu verschwinden”.
Regie Karl Huck

evagrius von pontus in der ägyptischen wüste 346 - 399:
superbia – hochmut avaritia – geiz invidia – neid ira – zorn acedia – trägheit herzensträgheit oder du siehst auch mit dem hezen nicht gula – völlerei luxuria - wollust

Er geht durch unsere Kinderzimmer wie der Struwelpeter oder Grimms Märchen und bleibt wie diese hängen im Bücherregal. Aber DER KLEINE PRINZ ist wie ein zu spätes Märchen. -Je älter ich wurde, desto fremder wurde mir das Buch. Allenfalls die Zeichnungen und einige Sätze vom Fuchs blieben mir gleichermaßen berührend und erinnerlich. Meine Lieblingszeichnung aber blieb immer der Hut, der eine Riesenschlange war, die einen Elefanten verschluckt hatte. Mich irritierte jedoch zunehmend die Qualität der Fragen, die immer irgendwo abrachen. Da wo ich weitere Fragen gestellt hätte, drehte sich der kleine Prinz einfach um. Oder der Erzähler gab eine belehrende, mir unangenehm vereinfacht erscheinende Antwort. Ich dachte also nach, welche Fragen ich dem Fuchs, der Schlange oder dem Säufer stellen könnte. Und immer wieder dachte ich darüber nach, woher sie wohl gekommen sind und letzlich auch der kleine Prinz. Die Vergangenheit ist immer ein Prolog.
man kann nicht nachdenken über sich selbst es gibt Khandahar, die Wüste und diese Ruhe, warst du da ? Diese untrügbare Ruhe. Wer keinen feind mehr hat trifft ihn im Spiegel Nachtflug ist eine Schlüsselerzählung. Ein Flughafen im Krieg. Ein Chef. Schonungslos den Fliegern gegenüber und sich selbst. Er bestimmt die Bedingungen der Flieger, ihren Einsatz, ihren Rhythmus, das Ausmaß des Risikos. Die Männer akzeptieren das. Warum? Oben in der Luft jedoch sind sie allein auf sich selbst zurückgeworfen. Nur der Auftrag verbindet sie mit der Landebahn. Der Chef ist scheinbar ohne Fragen. Unten auf dem Flugplatz ist er auf sich selbst zurückgeworfen. Er wartet , wartet auf die Flieger. Er muß Antworten haben, jederzeit unabdingbar. Ein schwerer Job. Die kleine Rose wartet auf den Prinzen. Das ist klar. Und doch ist die Klarheit porös, umgeben von einem Zyklon, der Tod heißt.
wesley willis. wüste . ich lernte wesley vor knapp einem monat kennen. ein freund spielte mir seine musik vor. er sagte man könne nicht die ganze scheibe hören man würde verrückt. er lachte. mein freund hat eine eigenart. erstampft mit dem fuß auf den boden und beugt ruckartig den oberkörper vor so als müße er gleich kotzen. so ist seine art zu lachen. ich war berührt von wesley. nach langen jahren der wüste mitten im sand wesley. mein english ist schlecht und wesley ist seit zwei wochen tot. und ich stellte mir vor, der kleine prinz, von dem ich nur den karton in dem ein schaf sein sollte mochte, hatte einen gewaltigen joke gemacht. er war nicht auf seinen planeten zurückgekehrt, sondern verbrannt von der sonne über der wüste in die stadte gezogen und zu einem riesigen fetten neger mutiert der auf seiner heimorgel all diese großartigen lieder spielt. come on. you are my greatest famous musik star.

Kritiken

Zitty

Ein Abend in der Wand. Tatsächlich erzählt Nino Sandow, als lese er Spuren zwischen nackten Brandziegeln der Wand im Dock 11. Geschichten, die sich begegnen und auf unglaubliche Weise diametral beginnen. Ein Bild das anrührt, wenn der zwei Meter Mann, gleich einem clownesken Kind mit zwei großen Heliumballons in den Saal tastet.
Das Bühnenbild ist einfach und raffiniert. Ein explodiertes Radio, eine Flugbahn mit Hochsitz die uns mit in den Himmel starten lässt, wo wir gefallenen Engeln gleich neben Sandow fliegen. Er steuert sein Flugzeug mit einer Schreibmaschine und macht selbst die Wolken.
Wer eine buchgetreue, alle Texte wiederholende Fassung erwartet, wird enttäuscht. Vielmehr ist es ein bizarres Kaleidoskop sich wandelnder Bilder, Erzählungen über das menschliche Leben überhaupt.
Grandiose Bilder von schlichter Einfachheit, nie ins Sentimentale übergehend, den Text verfremdend. Dazu Musik, die sparsam aber intensiv eingesetzt wird und vom Schauspieler selbst stammt.
Unter der Regie von Karl Huck gelang ein spannendes Bühnenexperiment, eigenwillig, tragisch wie komisch, von unerhörter Art.