Arthur Rimbaud - Die afrikanische Reise -
Feinherz der Finsternis

"Ich will versuchen, dort hinzukommen. Doch das Land soll feindselig sein. Ich werde ein Pferd kaufen und fortgehen......."

Reisende : Fama Girretz und Nino Sandow
Musik : 1 Phonoverstärker

"Ich täusche mich sicher nicht, der menschliche Körper ist eine Uhr, aber eine erstaunliche und mit soviel Geschicklichkeit verfertigte, daß, wenn das Sekundenrad stillsteht, das Minutenrad seinen Gang immer weiter geht, und ebenso das Viertelstundenrad und alle die anderen in ihrer Bewegung fortfahren, wenn die ersten verrostet oder aus irgendeiner Ursache verdorben sind und ihren Gang unterbrochen haben. Denn es ist doch so, daß die Verstopfung einiger Gefäße nicht ausreicht, den Stützpunkt aller Bewegungen zu zerstören oder zu unterbrechen, der im Herzen als in dem treibenden Teil der Maschine liegt (....)."
F. Pessoa Buch der Unruhe

Essay

Arthur Rimaud rennt jung unter die Neger. Weg von Paris, weg von der Dichtung. Sandow ( halb Bayer, halb Ghanaer ) zieht jung, genau 100 Jahre später nach Pommern, raus aus dem Osten Berlins - das Hirn voll trunkener Schiffe. Fatma ( halb Tunesierin, aus der deutschsprachigen Gemeinde Sankt Vith in Belgien) zieht jung, und Fernweh im Bauch, nach Brüssel. Dort begegneten sie sich, dort begann die Arbeit an einem gemeinsamen Stück. Dort schoß Verlaine auf Rimbaud, dort verfehlte er ihn.

Aus dem biographischen und textlichen Material Rimbauds, den Briefen seiner Schwester Isabell entstand ein Abend der immer wieder auf die eigene Biographie zurückgreift. Die Kenntlichkeit zwischen dem historischen Material und der eigenen Biographie verschwimmen zunehmend. Dadurch entwickelt sich eine spielerische Art der Genauigkeit, die den Spieler erlöst, immer etwas vorzuspielen, daß ihm sonst als Fremdtext begegnet. Er bedeutet eine Annäherung an Rimbauds fragmentarisches Material ( der langen, wie wir sie nennen afrikanischen Zeit ), welche eigentümlich pragmatisch scheint. Doch gerade dadurch wird deutlich, wie behutsam seine Okkupation des Anderen war. Voller Respekt vor der Unmittelbarkeit der Wüste, den Festen des Hungers.

Immer wieder, seit frühester Jugend, habe ich die Gedichte Rimbauds verschlungen. Diese frühreif scheinenden Texte, voll der Wildheit, die ich natürlich mir selber auch zuschrieb. Aber je älter ich wurde, desto unfaßbarer wurde mir das früher so Verständliche, vieldeutiger und geheimnisvoller. Die Welt sich in den Bauch holen, die Krankheit Welt - die Schönheit Welt. Mit Worten?

Erst im Kopf und dann zu Fuß nach Paris, der Absinth, die Liebe, Verlaines Schuß am Ufer der Seine. Ekel. Ekel vor der eigene Ohnmacht, dem eigene Talent.

Afrika. Dann die Berichte über das Land der Ogaden an die georaphische Gesellschaft. Berichte von spröder, klarer und nüchterner Schöhnheit. Dieses NIE WIEDER LYRIK . Und immer Maßtabellen, Landvermessungen, Sonnenglut auf Aden bis Harar, der Dreck, die Einsamkeit, die Neger. Verzweiflung ja, aber und vor allem diese Genauigkeit gegenüber der Hilfsbedürftigkeit der Sprache. Genauigkeit gegenüber der Hilfsbedürftigkeit der Welt.

Der Dichter Rimbaud hatte sich mitnichten von der Welt verabschiedet. Er ging in sie hinein. Und das so augenfällig zweigeteilte Leben war nur die Konsequenz dieses unbedingten Hungers nach der Grenze, wo die Menschen und Dinge sich nicht mehr verstecken können. Ausgesetzt sein. Da ist es, das zu Hause, das Herz der Finsternis. Davon erzählt unser Abend von Pommern und Afrika. Von der Hitze und dem kargen Land und den Festen des Hungers.

mein hunger ann ann:

andere gier hab ich nicht als nach erde und steinen
mein hunger ann mein hunger ann
ann ann annann
decke den tisch uns mit luft felsen kohle und eisen
mein hunger ann mein hunger ann ann
annann annann
flieh auf dem tier flieh auf dem tier flieh auf dem tier mit mir :

lauf hunger lauf grase hunger zum klang der schalmeien
mich dürstet schon achtloswild und auch du sturm und den deinen
hunger ann hunger annann
flieh auf dem tier flieh auf dem tier flieh auf dem tier mit mir

Die afrikanische Reise – Feinherz der Finsternis

Arthur Rimaud rennt jung unter die Neger. Weg von Paris, weg von der Dichtung. Sandow zieht jung nach Pommern, weg von Berlin - das Hirn voll trunkener Schiffe.
Dieser Abend entstand aus einer Reihe von Selbsterkundungen, wie man Theater und seine L andschft durch andere Probentechniken und darstellungsweisen aus dem gewohnten Blick auf die Bühne und den Schauspieler ziehen kann. dadurch entstand eine Art des Umganges mit dem textlichen material Rimbauds das immer wieder auf die eigene Biographie zurückgreift un die kenntlichkeit zwischen Schauspieler und Stoff verschwimmen läßt. Es entwickelt sich aber eine andere Art von Genauigkeit, die den Spieler erlöst immer etwas vorzuspielen was ich als Fremdtext oder Fremdkörper bezeichne. dadurch entsteht eine Annäherung an Rimbauds fragmentarisches Material ( der langen, wie ich sie nenne afrikanischen Zeit ) welche eigentümlich ehrlich ist, da sie um persönliche Zeugnisse nicht herumkommt und zugleich die Notwendigkeit der behutsamkeit in der Okkupation von Anderem, den Botenberichten, zeigt. Bestenfalls entsteht daraus Liebe durch Staunen.
Immer wieder, seit frühester Jugend, habe ich die Gedichte Rimbauds verschlungen, diese frühreif scheinenden Texte vollaller wildheit, die ich natürlich mir selber auch zuschrieb. Aber je älter ich wurde desto unfaßbarer wurde mir das früher so Verständliche, vieldeutiger und geheimnisvoller. Die Welt sich in den Bauch holen mit Worten, die Krankheit Welt - die Schönheit Welt. Erst im Kopf und dann zu Fuß nach Paris, der Absinth, die Liebe, der Schuß am Ufer der Seine. trunkenheit und immer wieder, niemals allein deshalb, diese unglauglichen Gedichte. Die Mutter. Afrika. Afrika. warum dieses NIE WIEDER LYRIK . Warum Maßtabellen, Landvermessungen, Sonnenglut auf Aden bis Harar, der Dreck, die Einsamkeit, die Neger. Verzweiflung ja, aber und vor allem diese Genauigkeit gegenüber der Hilfsbedürftigkeit der Worte. Und ich las die Briefe, Reiseberichte, die Notizen. Und da bemerkte ich, daß sie Beschreibungen von ungeheurer Klarheit besaßen und der Dichter Rimbaud sich mitnichten von der Welt verabschiedete. Und das so augenfällig zweigeteilte Leben war nur die Konsequenz dieses schönen Hungers nach der Grenze, wo die Menschen und Dinge sich nicht mehr vertecken können. Ausgesetzt sein. Da ist es zu Hause, das Herz der Finsternis.
Davon erzählt der Abend von Pommern und Afrika. Von der Hitze und dem kargen Land und den Festen des Hungers