Wandertrilogie I – II - III
FREUNDE,
ueber Jahre nun gehen wir nebeneinander durch die Straßen der Städte, über die Pfade der Landstriche, schwimmen in Flüßen und Seen, arbeiten oder liegen bei Feuern, Sternenzelte, trinken dunkle Absinthe, singen, lachen kindisch oder liegen matt zwischen dem Schweiß des Körpers und den ach so großen sich bewegenden Dingen einfach nur so rum. Namenlos ein erster Freund auf der Winterreise, wandert im Schnee, singt und lamentiert. Auf seinen endlosen Karawanenmärschen in Sachen Kaffee und Waffen unterwegs, Arthur ein zweiter Freund. Und du,Boehlendorf? Du, im Baltikum 20 Jahre lang verschollen, Bücher unter den Armen, torkelnd wie eine große Saatkrähe, Du ein dritter Freund. Nun ein Treffen. Will Euch sehen, drei Abende lang, an einem Ort.
Boehlendorf,du, fast verschwunden aus dem Gedächtnis der Literatur. Bekannt nur als Adressat zweier Briefe Hölderlins und durch höhnische Verrisse Deines Dramas ,, Ugolino Gherardesca’’ im Briefwechsel von Goethe und Schiller. Aber Freund, in der wunderbaren Erzählung ,,Boehlendorf’’ von Bobrowski Johannes erscheinst Du als Autor und Leser eines Rasters, das über den Dingen liegt, unsichtbar für viele, tödlich für den, der es liest. Haben wir keine Fragen mehr an den Rändern und Löchern, wo die Spuren verschwinden? Die Welt ist übervoll. Es drängt sich. Wanderung und Verschwinden, Abwesenheit und vielleicht Irrsinn. Danke auch für das Gedicht: ” Muß ich immer weiter wandern.....” . Singe es oft. Ich weiß, Du kommst erst am dritten Abend ins Dock mit Deinen Booten aus Wind. Ich habe Kaschmich und den Arzt mitgebracht. Du weißt schon. Wird´ne schöne laute Runde. Wir lachen schon jetzt.
PS. Laß die Zeichen liegen.
Arthur, warum bist Du auf Deinen langen Märschen nicht auf ein Kamel gestiegen, sondern, selbst Kamel, mußtest immer nebenher laufen. Kein Wunder die Sache mit dem amputierten Bein. Beschreib mir bitte diese Argoba – Frau, die Du hattest. Sie soll ja sehr schön gewesen sein. Und was für ein Blödsinn, Du hättest der Lyrik abgeschworen. Kennen sie nicht Deinen Bericht über das Land der Ogaden? OGADEN. Selten auch so klare Worte zur Dummheit, dem Unmaß der Kolonialpolitik gelesen. Ja, Arthur, die Welt sich in die Augen, in den Bauch holen. Maßtabellen, Landvermessungen, Sonnenglut auf Aden, der Dreck, die Einsamkeit, die Neger. Welche Verzweiflung aber auch welche Genauigkeit gegenüber der Hilfsbedürftigkeit der Worte. Ich sage Dir, Dein so unbarmherzig zweigeschnittenes Leben ist nur die Folge dieses immer währenden Hungers nach der Grenze, wo die Menschen und Dinge sich nicht mehr verstecken können. Die Wüste. Der Tau. Da ist es zu Hause, das Feinherz der Finsternis. Du, lieber Arthur kommst ja am zweiten Abend. Bring Kaffee mit. Absinth bleibt da.
Am dritten Tanz mit Leiermann und Hund und Schnee..